Resümee der Veranstaltung GreenVisions des BDS Berlin

In der Hauptstadt trafen auf Einladung des BDS Berlin Unternehmer auf Dienstleister der Energiebranche, um sich mit dem Thema Effizienz in der Wirtschaft zu beschäftigen.

Vier hochkarätige Redner gaben uns einen Einblick in ihre Arbeit zum Thema Energieeffizienz in der Wirtschaft. Anschließend wurden in einer Gruppendiskussion Ideen und Meinungen ausgetauscht. Die vier Themen Effizienztechnologie, Förderprogramme, Umsetzungsprobleme und Grüne Zukunftsvisionen wurden genauer unter die Lupe genommen.

Das Event wurde von dem BDS Berlin (Bund der Selbstständigen) und der bettervest GmbH veranstaltet und durch INFRANEU (Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit) sowie die GLS Bank unterstützt.

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel“

Um die Schäden des Klimawandels in Grenzen zu halten, so Prof. Dr. Dieter Flämig, dürfen wir bis Mitte des 21. Jahrhundert nur eine Tonne CO2 pro Person in einem Jahr ausstoßen. Das heißt, unser Verbrauch müsste auf 10% des heutigen Pro-Kopf-Ausstoßes sinken. Unter den acht Strategien der Ressourceneffizienz, die Dr. Flämig in seinem Vortrag hervorhebt, spielt auch die Energieeffizienz eine äußerst wichtige Rolle für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Das Potenzial in Deutschland ist groß. Es gibt unter anderem 186.000 ausbesserungsbedürftige öffentliche Gebäude, darüber hinaus arbeiten nur 23% der Warmwassererzeuger und Heizanlagen effizient und etliche Millionen veraltete Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlgeräte, etc., warten nur darauf, ersetzt zu werden. Um diese Ineffizienz zu beseitigen, brauchen wir nicht nur genügend finanzielle Mittel, sondern einen Paradigmenwechsel.

Bedauerlicherweise ist verantwortungslose Verschwendung noch die Regel, da Ressourcen wie Luft, Wasser oder Wärme nicht mit Ihren eigentlichen Werten in Produktionsprozesse eingepreist sind. Das müsse sich ändern, so Flämig. Er betont „wir sind nicht eine Welt neben der Welt”, sondern müssen eine „zukunftsfähige Kultur der Mäßigung, der ökologischen Sensibilität, der Partizipation und Balance“ schaffen in der die Kosten des heutigen Wohlstands nicht abgewälzt werden. Im Rahmen der Demokratie sollen Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungen bezüglich unserer Energieversorgung teilnehmen und auch in Klimaschutzprojekte investieren. Nur so könne eine Wandlung zur Nachhaltigkeitsgesellschaft gelingen.

Das kürzlich erschienene BuchWeiter Denken: von der Energiewende zur Nachhaltigkeitsgesellschaft von Prof. Dr. Flämig und Dr. Lothar de Maizière – quasi ein Fahrplan für eine treibhausneutrale Zukunft – schlägt ein neues in der Zivilgesellschaft verankertes Finanzierungsinstrument vor. Als vierte Säule der deutschen Altersversorgung könne eine obligatorische „Klimaschutz-Rente“ einen ökologischen sowie ökonomischen Strukturwandel in Gang setzten. Das Geld von Renteneinzahlern wird ausschließlich in nachhaltige Projekte investiert. Somit sei das deutsche soziale Sicherungssystem an ein nachhaltiges und langfristiges Vorsorgesparen gekoppelt, in dem die Gesundheit von Mensch und Natur im Mittelpunkt steht.

Die geschätzten 300 Billionen Euro, die wir für diesen gigantischen Umbau über die nächsten hundert Jahre benötigen, entsprechen in etwa dem Kostenvolumen der deutschen Einheit. Fazit: das Mammut-Projekt ist durchaus machbar.

Sticks and Carrots: Förderinstrumente

Als einzige Vertreterin der Politik gab Bundestags-Abgeordnete Dr. Julia Verlinden uns einen kritischen Einblick in die derzeitigen Fördermaßnamen, die Firmen aktuell bei der Implementierung von energieeffizienten Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Dr. Verlinden ist der Meinung, dass Energieeffizienz nicht nur ein wichtiger, sondern der größte Bestandteil der Energiewende ist. Doch die staatlichen Fördermittel seien bisher enttäuschend: sie seien entweder zu einschränkend, unangebracht oder nicht durchdacht. Sie schlägt vor, dass z.B. Rabatte auf Strom nur dann gewährtet werden, wenn erste Effizienz-Maßnahmen ergriffen wurden. Dafür seien offizielle Effizienz-Benchmarks an denen Firmen sich orientieren können notwendig. Zurzeit fehlten diese. Dr. Verlinden fordert deswegen offene Rahmenbedingungen mit weniger Bürokratie, konkreteren Richtlinien und schlichtweg mehr Geld, um den Energieeffizienz-Markt in Schwung zu bringen. Neben Förderung bräuchte man allerdings auch wirksame Preissignale, die zur Dekarbonisierung beitragen.

Mit dem EU-Emissionshandel sind die ersten Grundsteine gelegt worden, doch der schwache Preis übt wenig Druck auf die Industrie aus. Erst bei 30€ pro Tonne CO2 würden Firmen den Drang, effizienter zu agieren oder ihre Prozesse gänzlich klimafreundlich zu strukturieren, spüren, so Dr. Verlinden.

Ab dann wird auch die Drohung der sogenannten „stranded assets“ an Bedeutung gewinnen. Momentan sind Kohle-, Öl- und Gasreserven deutlich überbewertet. Die Wertschätzungen weltweiter Reserven stehen nämlich im Widerspruch zu dem erklärten Ziel von COP21 (UN-Klimakonferenz in Paris im Jahr 2015), die Erderwärmung unter 2°C zu begrenzen. Wenn ein Großteil dieser Reserven verbrennt werden würde, ist der Emissionsausstoß so hoch, dass wir die zwei Grad Grenze deutlich überschreiten würden. Sobald Investoren zur Erkenntnis kommen, dass die Risiken viel höher sind als zuvor kalkuliert, platzt auch die aufgeblähte Investitionsblase, wonach Anlagen in fossile Brennstoffe an Wert verlieren werden oder sogar vollkommen als wertlos eingestuft werden müssen.

Crowdinvesting für Energieeffizienz

Harald Schottenloher stellte in diesem Zusammenhang das alternative Finanzierungsangebot von bettervest vor. bettervest ermöglicht die zivilgesellschaftliche Partizipation, die für eine Nachhaltigkeitsgesellschaft so bedeutsam ist. Darüber hinaus kann durch Crowdinvesting auf Fördermittel verzichtet werden oder gezielt in Kombination mit solchen staatlichen Quellen genutzt werden. bettervests Fokus auf Energieeffizienz trägt dazu bei, die von Dr. Verlinden erwähnte Lücke nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu füllen.

Energieeffizienz braucht einen starken Markt

Claire Range von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V, kurz DENEFF, berichtete über die Ergebnisse einer Umfrage unter Anbietern am Energieeffizienzmarkt, an der auch bettervest teilnahm. Die Initiative veröffentlicht jährlich einen solchen „Branchenmonitor“, welcher einen Überblick über den Energieeffizienzmarkt verschafft und Trends, Erfolgsfaktoren und Herausforderungen identifiziert. Beispielsweise stieg der Umsatz deutschlandweit von 2014 bis 2015 um 10%. Derweil wurden eine halbe Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Um auf diesem Kurs zu bleiben, braucht der Markt dringend deutliche Impulse, betont Range. Wichtigster Antrieb für den wachsenden Markt, laut Umfrage des Branchenmonitors, sind die politischen Rahmenbedingungen. Sendet die Politik ein eindeutiges Signal, bekommt die Branche die notwendige Unterstützung und Klarheit, um den Schritt zu wagen. Wie auch Dr. Verlinden erläuterte, bietet das momentane „Sammelsurium von Förderprogrammen“ zwar eine bunte Vielfalt, birgt aber auch Fehlanreize und einen Mangel an branchen- und technologie-übergreifenden Lösungen.

Besonders wichtig ist die monetäre Förderung. Obwohl große Einsparpotentiale wirtschaftlich realisierbar sind, werden diese in der Industrie selten gehoben. Das liegt vor allem daran, dass solche Investitionen sich nur langfristig rentieren. Leider sind Firmen in der Regel eher auf Kurzfristigkeit programmiert; alles was eine lange Amortisierungsperiode hat, wird eher als kostspielig bewertet. Genau deshalb sind Investitionszuschüsse oder -prämien besonders gefragt. Wo die Politik nachhinkt, ergänzen alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding oder Genossenschaften klassische Finanzierungsangebote.

Fotos:Arnim Roever

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